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Letztes Wochenende in Amsterdam











und ein Sonntag am Strand (bei Bergen aan Zee)

Fokus


Tobi, das hab ich heute raus gekramt - heute ist der Fokus ganz auf Dich gerichtet :-) . Alles Gute!!

Unterwegs #6

8.6.09 Kleine Planänderung. Statt nach Nîmes (wo Herr Ebrard Station machte) fuhren wir westwärts in die Cévennen, dem Ziel der Reise des Herrn Ebrard. Wir folgten exakt der Strecke, die er von Nîmes aus mit dem Zug zurücklegte, mit dem Unterschied, dass wir mit dem Auto unterwegs waren. Die Bahnstrecke existiert nur noch als Trasse (auf einem kleinen Stück als Radweg), an manchen Stellen ist sie unterbrochen oder völlig mit Pflanzen überwuchert, so dass man nichts mehr davon erkennen kann (vor allem zwischen Sommières und Sauve). Aber was wir in den Cévennen vorfanden war atemberaubend:



die Trasse ist vollkommen erhalten, man kann darauf laufen (obwohl es offiziell verboten ist...), Brücken über- und



Tunnel durchqueren, sich darin fürchten weil es so dunkel ist und man (nein ich) unbegründeter Weise Angst hat, sie könnten einstürzen. Man bekommt plötzlich eine plastische Vorstellung von dem Hoffnung spendenden Ausdruck vom "Licht am Ende des Tunnels" (oder vom Tunnelblick;)). Es war unglaublich, die Aussicht phantastisch (wie schön muss es damals gewesen sein, mit dem Zug hier unterwegs zu sein).



Immer hielten wir Ausschau nach alten Bahnhöfen und wir fanden sie. Sie wurden den unterschiedlichsten Nutzungen zugeführt.



In Pont l'Hérault befindet sich im ehemaligen Bahnhofsgebäude eine Schule,



in Le Vigan ein viganesisches Zentrum. (Auch auf der Radstrecke zwischen Nîmes und Sommières war es interessant zu sehen, wie die Gebäude heute genutzt werden - Bücherei, Kindergarten, Wohnhaus (ich will auch), Hotel ...). Im Buch "Voyage dans les Cévennes" widmet sich Herr Ebrard im Kapitel "En route pour les Cévennes" diesem Reiseabschnitt, der Zugfahrt von Nîmes nach Le Vigan.



"Par un tunnel, nous pénétrons dans les gorges du Rieutord, véritable ruisseau de pierre. "Durch ein Tunnel kommt er also in die Rieutord-Schlucht und stellt fest, dass der Rieutord ein einziger Steinbach ist, kein Wasser weit und breit. Noch heute ist es so - erst oberhalb von Sumène führt er ein wenig Wasser. In Ganges "fließt" ("sil est permis d'utiliser ce terme impropre") der Rieutord in ein weites Tal und vereinigt sich mit dem Flussbett des Hérault.



"A Sumène, enfin, l'étranglement des gorges s'ouvre sur une vallée riante, située à basse altitude ; toutefois, le caractère fondamental reste partout celui d'une rude montagne sauvage, violente.



Le chemin de fer tourne à gauche et plonge dans l'obscurité du long tunnel de Sumène. Au sortir de ce tunnel qui nous mène des gorges dénudées du Rieutord à la verdoyante vallée de l'Hérault, le panorama est aussi surprenant, mais moins grandiose que celui qui se présente sur le lac Léman en sortant du tunnel de Palezieux."



Es ist lustig wie August Ebrard immer wieder Bezüge herstellt zu Landschaften, die er bereits kennt um das Neue und Unbekannte einzuordnen. Er vergleicht das Panorama des Genfer Sees, das sich dem Reisenden darbietet wenn er das Tunnel von Palezieux verlässt mit dem, das sich beim Verlassen des Tunnels von Sumène vor ihm ausbreitet. Wobei er das letzte zwar ebenso überraschend wie das erste, aber weniger großartig findet. Es ist unheimlich spannend, die Landschaft aus der Perspektive eines Menschen zu sehen, der vor 130 Jahren hier war... Er verlässt also die Schlucht des Rieutord und gelangt durch den Tunnel von Sumène ins Hérault-Tal. Die weißen Kalkfelsen der Rieutord-Schlucht werden von Schiefergestein abgelöst, alles ist grün, damals wie heute. Fruchtbare Weiden, Maulbeerbäume (die Blätter dienten den Seidenraupen als Futter), mächtige Kastanienbäume, in Terrassen angelegte Weinberge, Steineichen, Rotbuchen... "Tout est fraicheur." Überall glitzern kleine Wasserbäche. Hohe Berge in harmonischen Ketten, so beschreibt es A. E. Auf einer hohen Brücke überquert er mit dem Zug den Hérault, verlässt das Hérault-Tal und folgt der Arre (une vallée latérale, aussi belle que la précedente) bis nach Le Vigan. Dort wird A. E. von einem entfernten Cousin empfangen. "Je suis dans les Cévennes comme chez moi.".




Das waren viel Text und viele Bilder. Schön, wenn Du es bis hierher geschafft hast. A. E. war allerdings noch nicht ganz am Ziel seiner Reise angelangt - und somit sind wir es auch nicht...

Unterwegs #5

7.6.09 Es ist Abend. Nachtigall und Grillen trällern und zirpen um die Wette in der Garrigue, die sich vor unserer Terrasse ausbreitet.




Am Nachmittag besuchten wir das "fête de la cérise et de la fourche" in Sauve (wann ist eigentlich das Kirschenfest in Pretzfeld? Dürfte auch bald soweit sein...), eine Kunstauktion, eine Vernissage. Kurze Stippvisite bei Fouzia (etwa 800 g von den leckeren, scharf eingelegten Oliven gekauft). Danach Sommières.




Dort haben wir ein phänomenales Weingut besichtigt. Costes-Cirgues von Familie Althoff. Sommières ist ein Ort, wie er idealer nicht sein kann. Wunderschönes mittelalterliches Städtchen, auf halbem Weg zwischen Nîmes und Montpellier. Ebenso weit wie nach Nîmes und Montpellier dürfte es zum plage de l'espiguette sein... Was will Mensch mehr? Familie Althoff hat sich dort ein wahres Paradies geschaffen. Altes Château, originalgetreu wiederhergestellt, inmitten von Weinbergen, Olivenhainen, die auf biologische Bewirtschaftung umgestellt wurden... Wie schön muss es sein, ein solches Projekt zu verwirklichen, das zugleich Erfüllung verspricht, Identität stiftet und verbindend für die ganze Familie wirkt - selbst die erwachsenen Kinder scheinen sich damit zu identifizieren. Es sind so freundliche Menschen, mit Land und Leuten verbunden und dennoch weltoffen.

Die Plakate, die mir so gut gefielen, haben übrigens der Fotograf Christian Vogt und dessen Frau gestaltet. Christian Vogt hat in einem Projekt mit dem Namen "bois du roi" eine Fotoserie über das Chateau Costes-Cirgues geschaffen. Die Serie wird am Wochenende vom 19. Juni in Basel gezeigt. Wir sind eingeladen. Das ist super! Heute war französischer Muttertag. Morgen geht's nach Nîmes. Auf den Spuren von August Ebrard und - Sir Norman Foster. Die Nachtigall und die Grillen, sie trällern und zirpen noch immer um die Wette. Im Schein der Kerze kann ich kaum mehr erkennen, was ich schreibe. Ich geh jetzt schlafen.

Unterwegs #4


6.6.09 Markttag in Sommières. Mit den Rädern von Quissac nach Sommières. Auf dem Marktplatz eine Kleinigkeit gegessen. Plakate entdeckt, die zum Tag der offenen Tür in einem Weingut namens "Costes-Cirgues" einladen. Die Plakate waren sehr gut gemacht. Mal sehen, was sich dahinter verbirgt... Morgen also: Besuch des Weinguts, Kirschenfest in Sauve...

Unterwegs #3

Die Fortsetzung von "Unterwegs" ist längst überfällig (du hast Recht, Ieva). Schon seit einer Woche bin ich zurück aus Sauve bzw. den Cévennen. Wir folgten den Spuren des August Ebrard aus Erlangen, der 1877 eine Reise dorthin unternahm (siehe Unterwegs #2). Hier mein eigener kleiner Reisebericht, der sich auf meine Notizen stützt und auf Ebrards Reisebericht bezieht.

5.6.2009 Der heutige Tag war ein Geschenk. Ein zusätzlicher Tag. Wir sind die Nacht durch gefahren und waren schon um 10:00 hier (in Sauve), durften gleich das Häuschen beziehen, obwohl wir erst ab morgen reserviert hatten - es war völlig unproblematisch.

Es ist schön, nach Sauve zu kommen. Fouzia, die Inhaberin des kleinen Lebensmittelladens hat uns freudig begrüßt, gefragt, wie es uns denn ginge. Mir ist leider nichts Vernünftigeres eingefallen als nachzufragen "et vous?". Das ist ziemlich unfranzösisch und etwas tölpelhaft. Ich hätte zumindest ein "Madame"anhängen müssen oder einen schönen Satz formulieren. Doch ich war so überrascht von der Tatsache, dass sie uns wiedererkannt und sich über unseren Besuch in der épicerie gefreut hat... irgendwie hat mich das sprachlos gemacht. Gleich darauf in der Gasse wurden wir von einer anderen Frau freundlich begrüßt, nicht wie Fremde sondern wie Leute von hier. Er hat richtig Freude gemacht, der kleine Abstecher in Fouzias Lebensmittelgeschäft. Bei einer solch freundlichen Begrüßung fühlt man sich gleich wie daheim. Wo ist daheim? Dort, wo man gern gesehen, wo man willkommen ist, wo man auf Menschen stößt, die sich darüber freuen, dass man da ist und über deren Dasein man sich ebenfalls freut...? Sauve ist ein besonderer Ort.


Links: Sauve. Rechts: Fouzias Lebensmittelladen.

August Ebrard fuhr 1877 mit dem Zug durch Sauve. Die Bahnstrecke existiert heute nicht mehr. Stattdessen ist ein Abschnitt der ehemaligen Bahntrasse in einen Fahrradweg umgewandelt worden, die "voie verte". Als wir letztes Jahr in Sommières eine Radwegekarte kauften, stellten wir fest, dass die "voie verte" der einzige Radweg weit und breit ist. Das nannte sich also Radwanderkarte (versehentllich bezahlten wir die Karte auch noch doppelt...). Nun gut, Ebrard fuhr dieselbe Strecke mit dem Zug. Die Gegend zwischen Nîmes, Sommières und Quissac fand er ziemlich langweilig, erst ab Sauve begann die Landschaft für ihn interessant zu werden. Er zog Vergleiche zwischen den Hügel- und Kalkfelsformationen der Fränkischen Schweiz und der Landschaft um Sauve, verglich Vidourle und Wiesent. Die Gegend hier ist wirklich äußerst reizvoll, sicher gibt es ein paar Parallelen. Auch mir drängte sich im vergangenen Jahr der Vergleich auf - so schickte ich eine SMS mit dem Inhalt (in etwa) "Vidourle grüßt Wiesent" an meine Tochter (die sich zu dem Zeitpunkt an der Wiesent aufhielt). Dennoch hinkt der Vergleich. Die Vegetationen sind völlig unterschiedlich, hier die Garrigue, dort die Mischwälder, die Vidourle ist viel größer und unbändiger als die Wiesent. Die Form und Höhe der Hügel allerdings und die Tatsache, dass es sich in beiden Fällen um Kalkgestein handelt deuten auf gewisse Ähnlichkeiten. Ebrard konnte sich für die Sommières umgebende Landschaft offensichtlich nicht recht begeistern. Ich sehr wohl. Denn ich liebe diese sanften, mit Wein bestandenen Hügel, die Ausläufer der südlichen Cévennen, die schon bald, etwas südlicher in die flache Küstenregion übergehen. Sommières ist bezaubernd. Von hier führt die "voie verte" auf der ehemaligen Bahntrasse bis kurz (etwa 5 km ) vor Nîmes. Angeblich soll der Radweg in Richtung Sauve weitergeführt werden. Das wäre eine wirklich feine Sache.


Links: Der ehemalige Bahnhof von Sommières beherbergt heute das Hôtel de l'Estelou. Dort beginnt die 20 km lange "voie verte". Rechts: Der Bahnhof von Sauve. Es gibt hier bisher nur ein klitzekleines Stückchen Radweg (1,5 km lang). Herr Ebrard fuhr hier entlang, mit dem Zug.

Nach dem Einkauf bei Fouzia waren wir in St. Hippolythe du Fort im "Wo gibt's unterwegs Bio?", ähm im biocoop ;). Haben uns dort in Ergänzung zu Brot, Oliven und Knoblauch von Fouzia mit allerlei Leckerien eingedeckt: Datteln, Mandeln, Kirschen, Zucchini, Pélardon, Comté und so weiter... Gleich darauf fuhren wir nach Ribaute-les-Tavernes um uns mit unserem Lieblings-Biotafelwein zu versorgen.

Unterwegs #2

"Une rue de sa ville natale porte auhourd'hui son nom.", so heißt es in dem Vorwort zum Reisebericht von August Ebrard (siehe Unterwegs #1) "Voyage dans les Cevennes en l'an 1877" (der Originaltitel lautet: "Reise in die Sevennen im Jahre 1877."). Eine Straße in seiner Geburtsstadt Erlangen ist also nach ihm benannt. Google Earth half mir weiter und so fand ich sie, die Ebrardstraße (ob sich das Herr Ebrard wohl hätte träumen lassen, dass 120 Jahre nach seinem Tod eine nach ihm benannte Straße mit Hilfe von Google-Earth ausfindig gemacht werden würde?).


Sie liegt nördlich der Schwabach im Erlanger Stadtteil Sieglitzhof. Dieser freundliche Anwohner hatte schon mal was gehört von diesem Herrn Ebrard...

Wir machen uns auf den Weg, den Spuren des Mannes zu folgen, der sich im Jahr 1877 auf den Weg machte, den Spuren seiner Vorfahren zu folgen - die Vorfahren Ebrards waren Hugenotten und flohen nach der Aufhebung des Edikts von Nantes vor den Truppen des Sonnenkönigs nach Deutschland, Ebrards Großeltern ließen sich in Erlangen nieder. Die Reise führte August Ebrard und sie führt uns in die Cévennen.

Unterwegs #1

Menschen, die unterwegs sind, alleine oder gemeinsam, finde ich interessant. Situationen in öffentlichen Verkehrsmitteln, wo Menschen, die einander weder kennen noch miteinander in Kontakt treten, zusammen ein Stück Weg zurücklegen, faszinieren mich. Das einzig Verbindende zwischen diesen Menschen ist der Wunsch, von Ort A nach Ort B zu gelangen. Aus den unterschiedlichsten BEWEGgründen.

Ich kann nicht erklären, warum, aber ich glaube, festmachen zu können, wann diese Faszination zum ersten Mal auftauchte: es war vor 5 Jahren in der New Yorker U-Bahn. Die Vorstellung, wie viele Schicksale, wie viele Lebensgeschichten aus den verschiedensten persönlichen, sozialen, kulturellen und religiösen Zusammenhängen sich da für eine kurze Zeit und Distanz zusammen finden, um sich gleich darauf wieder zu trennen, ist umwerfend. Seither empfinde ich so wenn ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin (das kommt allerdings nicht ALL zu häufig vor).



Ich mag die Atmosphäre in den Nürnberger U- und Straßenbahnen, in den Lissaboner U-, Straßen- und S-Bahnen, auf der Holperstraße in einem portugiesischen Überlandbus, im Londoner Stadtbus, im Touri-Nostalgie-Zug in den Cevennen. Immer habe ich dieses besondere Gefühl.





Es gibt auch sehr traurige Geschichten über Menschen, die gemeinsam unterwegs waren, wie z. B. Juden im Dritten Reich, die eng zusammengepfercht in Todeszügen nach Auschwitz befördert wurden. Was sie verband, war keinesfalls der Wunsch von Ort A nach Ort B zu kommen. Das Verbindende war schicksalhaft, führte auf die gemeinsame Herkunft zurück und endete meist im gemeinsamen Tod. Daran muss ich in diesem Zusammenhang oft denken.

Kürzlich habe ich meiner Tochter aus dem Alten Testament einen Teil der Geschichte Abrahams vorgelesen - im Ethik-Unterricht beschäftigen sie sich mit den abrahamitischen Religionen - der sich ebenfalls auf den Weg gemacht hatte. Von Ur nach Kanaan. Ich finde die Geschichte sehr schön und abenteuerlich.

Sehr bemerkenswert ist außerdem die Familiengeschichte der Joels, die vor Hitlers Schergen von Nürnberg über Umwege nach New York geflohen sind. Andere Familienmitglieder jedoch wurden in Zügen in das Durchgangslager Izbica gebracht und von dort aus in das Vernichtungslager Sobibor.

Vor nicht allzu langer Zeit machte mich Judith auf einen gewissen August Ebrard aufmerksam, der im Jahr 1877 von seiner Heimatstadt Erlangen startend eine Reise in die Cevennen unternahm, um dort nach seinen Vorfahren zu forschen, die nach der Aufhebung des Edikts von Nantes als Hugenotten aus Frankreich geflohen waren.

Es gibt sicher endlos viele solcher Geschichten, doch diese kommen mir im Augenblick besonders nahe.